۹. Koordination und Kopulativkomposition

Inhaltsverzeichnis

a. Koordination

Als Koordination wird eine Art der Phrasenbildung bezeichnet, in der zwei oder mehrere Konstituenten aneinander gereiht werden (meistens mit Hilfe von Konjunktionen). Dabei behalten diese Konstituenten, die Konjunkte genannt werden, ihre Eigenständigkeit. Diese Eigenschaft unterscheidet die Koordinationen von Genitivphrasen.

Dieses Kapitel befasst sich mit der einfachen Form der Koordination. Die Koordination von Flexionsphrasen wird in Kapitel 17. behandelt.

a•a. Kopulative Koordination

(Siehe 17•a.)

Wenn eine Aussage für alle Konjunkte gilt, erscheinen sie in der Form einer kopulativen Koordination. Die kopulative Koordination bedient sich im Persischen der Konjunktion /o/ و.

Die kopulative Koordination ist vom selben Phrasentyp wie ihre Konjunkte:

/irɒn o ʧin/ ایران و چین [NP[NP/irɒn/ ایران] [ConKonjunktion /o/ و] [NP/ʧin/ چین]]

/xoʃk o xonæk/ خشک و خنک [AP[AP/xoʃk/ خشک] [ConKonjunktion /o/ و] [AP/xonæk/ خنک]]

a•b. Disjunktive Koordination

(Siehe 17•b.)

Disjunktive Koordination wird dann verwendet, wenn eine Aussage für mindestens oder genau einen der Konjunkte gilt. Sie erscheint im Persischen mit der Konjunktion /jɒ/ یا:

/kɒrmænd jɒ kɒrgær/ کارمند یا کارگر [NP[NP/kɒrmænd/ کارمند] [ConKonjunktion /jɒ/ یا] [NP/kɒrgær/ کارگر]]

/zibɒ jɒ dɒnɒ/ زیبا یا دانا [AP[AP/zibɒ/ زیبا] [ConKonjunktion /jɒ/ یا] [AP/dɒnɒ/ دانا]]

Dabei scheint die disjunktive Koordination im Persischen ein Derivat der kopulativen Koordination zu sein. Ein Beleg dafür ist, dass die disjunktive Koordination auch mit der Konjunktion /o/ و erscheinen kann:

برادر یا خواهر. برادر و یا خواهر.

Diese Tatsache legt nahe, dass die Konjunktion /jɒ/ یا durch Grammatikalisierung der Disjunktivadverbiale /jɒ/ یا, /æjɒ/ ایا und /ɒjɒ/ آیا – die in Polaritätsinterrogativen ebenfalls Zweifel und Unentschlossenheit ausdrücken – entstanden ist (siehe 15•۴•s.).


In archaischen Idiomen findet man disjunktive Koordinationen, die nicht mit der Konjunktion /jɒ/ یا, sondern mit der Konjunktion /ægær/ اگر (bzw. aus metrischen Gründen [gær] گر und [ær] ار) verbunden sind:

به جایی که رفتی برون با سپاه

به رزم ار به بزم ار به نخجیرگاه

Assadi Tusi (11. Jh. n. Chr.)

ماییم و دو شیشگک میِ روشن و خوش

با قلیگکی و نانکی پنج ار شش

Anvari (12. Jh. n. Chr.)

هر چند از آن شراب و اگر آب فرو کردندی، هیچ کم نیامدی.

Aus dem Werk „Modjmal Ottavarikh va alghesas“ (۱۲. Jh. n. Chr.)

Wie dieses Beispiel zeigt, erscheint diese Konstruktion häufig in Form einer kopulativen Koordination mit der Konjunktion /o/ و. Auch hier kann man davon ausgehen, dass die Konjunktion /ægær/ اگر durch Grammatikalisierung des Disjunktivadverbials /ægær/ اگر entstanden ist (siehe 15•۴•s.).

a•c. Aufbau der Koordination

Wenn eine Koordination mehr als zwei Konjunkte aufweist, können alle Konjunktionen bis auf die Letzte entfallen und durch Kommata ersetzt werden. Somit ist die Verbindung zwischen den Konjunkten an diesen Stellen asyndetisch und nur an der letzten Stelle (die weiterhin eine Konjunktion aufweist) syndetisch:

این بیماری را می‌توان به یاریِ دارو، جرّاحی و یا ر‌وان‌شناسی بهبود بخشید.

در شهرِ نشابور بس کس نمانده بود، که همه به خدمت، استقبال یا نظاره آمده بودند.

Abolfazl Beyhaqi (10th and 11th Century AD)

Sollten alle Verbindungen zwischen den Konjunkten die Konjunktionen behalten, spricht man vom Polysyndeton:

حـالِ ما و فرقتِ جانان و آزارِ رقیب

جملـه می‌داند خدایِ حـال‌گردان، غم مخور!

Hafes (14. Jh. n. Chr.)

ابر و باد و مه و خورشید و فلک در کارند

تا تو نانی به کف آری و به غفلت نخوری

Saadi (12. – 13. Jh. n. Chr.)

b. Kopulativkomposition

Als Kopulativkomposition (in der Sanskrit-Grammatik Dvandva द्वन्द्व = “zwei und zwei”) wird in manchen indoeuropäischen Sprachen eine Komposition aus zwei oder mehreren Konjunkten bezeichnet, die in einem gleichwertigen Verhältnis zu einander stehen, so dass keine der anderen untergeordnet ist. Sie impliziert häufig eine zeitliche Reihenfolge, oder verdeutlicht die Bestandteile einer Entität.

Im Gegensatz zu Koordinationen handelt es sich bei Kopulativkomposita um Lemmata. Diese Eigenschaft kann man heranziehen, um sie von asyndetischen Koordinationen zu unterscheiden.

Im Persischen begegnet man Kopulativkomposita aus Nominal- oder Determinativphrasen, seltener auch aus Adjektivphrasen:

  • Aus Nominalphrasen:
    1. Die Konjunkte können Bestandteile der Entität darstellen, auf die sich die Kopulativkomposition bezieht (siehe 6•۱•۱•a.): /ɒb-duɣ-xiɒr/ آب‌دوغ‌خیار, /ɒb-guʃt/ آب‌گوشت, /ʃotor-gɒv-pælæng/ شترگاوپلنگ, /ɣormæ-sæbzi/ قورمه‌سبزی

      Dazu gehören auch Kardinalzahlen wie /ʧæhɒr-dæh/ چهارده sowie Dezimalbruchzahlen: /hæʃt momajjez sefr se/ هشت ممّیز صفر سه

    2. In Onomatopoetika: /ʤering-ʤering/ جرینگ‌جرینگ, /xeʃ-xeʃ/ خش‌خش, /bæʔ-bæʔ/ بع‌بع
    3. Im Aufbau von Nomina Actionis aus substantivierten infiniten Verbformen (siehe 3•d•a•a.):
      • Kopulativkomposition eines affirmativen Präteritum- mit seinem affirmativen Präsenspartizip: /ʃost-ʃu/ شست‌شو, /ʤost-ʤu/ جست‌جو, /goft-gu/ گفت‌گو
      • Kopulativkomposition eines affirmativen Präteritumpartizips mit seiner negativen Form: /ɒmæd-næjɒmæd/ آمدنیامد, /ʃɒjest-næʃɒjest/ شایست‌نشایست
      • Kopulativkomposition eines affirmativen Präsenspartizips (meist betont dem Präfix /be-/) mit sich selbst: /bezæn-bezæn/ بزن‌بزن, /boxor-boxor/ بخوربخور, /bokoʃ-bokoʃ/ بکش‌بکش
      • Kopulativkomposition eines affirmativen Präsenspartizips (meist betont dem Präfix /be-/) mit seiner negativen Form: /keʃ-mækeʃ/ کش‌مکش, /begu-mægu/ بگومگو
      • Kopulativkomposition eines affirmativen Präsenspartizips (meist betont dem Präfix /be-/) mit einem anderen: /beriz-bepɒʃ/ بریزبپاش, /begir-bebænd/ بگیرببند
    4. In Distributiva: /færd-færd/ فردفرد, /do tɒ – do tɒ/ دو تا – دو تا
  • Aus Numeralia als Zeichen der Schätzung:
    1. Zählnumeralia:

      دوسه کیلو /do-se kilu/

      هفت‌هشت‌ده نفر /ʃæft-hæʃt-dæh næfær/

      سه‌چارلا /se-ʧɒr-lɒ/ (exozentisches Qualitativkompositum)

      ساعتِ دو – دو و نیم /sɒæt-e do – do vo nim/

      دو کیلو و نیم – سه کیلو /do kilu o nim – se kilu/

      گر چه مست‌م، سه‌چار جامِ دگر

      تا به کلّی شوم خراب بیار!

      Hafes (14. Jh. n. Chr.)

      از سی‌چهل سال پیش یک عدّه قلندر پیدا شده بودند.

      Jalal Al-e Ahmad (20. Jh. n. Chr.)

      این یک‌دو دم که دولتِ دیدار ممکن‌ست

      در یاب کارِ ما! که نه پیداست کارِ عمر

      Hafes (14. Jh. n. Chr.)

      چه شود گر من و تو یک‌دو قدح باده خوریم؟!

      باده از خونِ رزان‌ست، نه از خونِ شماست

      Hafes (14. Jh. n. Chr.)

      In modernen Idiomen wird anstatt /jek-do/ یک‌دو meist das Kopulativkompositum /jek-i-do/ یکی‌دو verwendet (siehe 6•۱•d.):یکی‌دو نفر, یکی‌دو روز

    2. Ordinalzahlen: /ruz-e pænʤom-ʃeʃom/ روزِ پنجم‌ششم
  • Kopulativkomposition einer Adjektivphrase mit sich selbst, meist in der Rolle des Modaladverbials: /kæm-kæm/ کم‌کم, /jævɒʃ-jævɒʃ/ یواش‌یواش

    ملائکه دوان‌دوان /dævɒn-dævɒn/ خود را به مکانِ مقرّر رساندند.

    Mohammad Ali Dschamalzade (19. – 20. Jh. n. Chr.)

    Wenn die Konjunkte mit dem Suffix /-ɒn/ enden (siehe 20•d.), kann dieses Suffix von der ersten Adjektivphrase getilgt werden: /læng-længɒn/ لنگ‌لنگان

    گر نمودی عیبِ آن کار او تو را

    کس نبردی کش‌کشان /kæʃ-kæʃɒn/ آن سو تو را

    Rumi (13. Jh. n. Chr.)

    پرس‌پرسان /pors-porsɒn/ می‌کشیدش تا به صدر

    گفت: «گنجی یافتم آخر به صبر»

    Rumi (13. Jh. n. Chr.)

    کمان را به زه کرد زود اشکبوس

    تنی لرزلرزان /lærz-lærzɒn/ و رخ سندروس

    Firdausi (10. – 11. Jh. n. Chr.)

  • Kopulativkomposition von Nominal- oder Adjektivphrasen mit ihren Reduplikaten:

    جوراب‌موراب /ʤurɒb-murɒb/

    شلوغ‌پلوغ /ʃoluɣ-poluɣ/

  • Kopulativkomposition von Nominal- mit Adpositionalphrasen:

    سر به سر /sær be sær/

    جور وا جور /ʤur vɒ ʤur/

    سر تا پا /sær tɒ pɒ/

b•a. Kopulativkomposition mit Hilfe des Interfixes /-ɒ-/

/-ɒ-/ ist in manchen persischen Idiomen das Allomorph zur Konjunktion /o/ و, in vielen anderen Idiomen (vor allem in der Standardsprache des Iran) ist es zu einem Interfix grammatikalisiert. Der funktionale Unterscheid besteht darin, dass die Phrasen mit diesem Interfix Lemmata darstellen und somit nicht zu den Koordinationen, sondern zu den Kopulativkomposita zählen:

  • Als Zeichen der Zusammengehörigkeit: /ʃab-ɒ-ruz/ شباروز, /zæn-ɒ-ʃui/ زناشویی
  • Im Aufbau von Nomina Actionis aus substantivierten infiniten Verbformen (siehe 3•d•a•a.): /kæʃ-ɒ-kæʃ/ کشاکش, /tæk-ɒ-pu/ تکاپو
  • Als Zeichen der Verbundenheit: /dæm-ɒ-dæm/ دمادم, /duʃ-ɒ-duʃ/ دوشادوش
  • Als Zeichen der Mannigfaltigkeit: /ræng-ɒ-ræng/ رنگارنگ, /jur-ɒ-jur/ جوراجور
  • Als Zeichen der Homogenie: /sær-ɒ-pɒ/ سراپا
  • Um die Richtung anzuzeigen: /sær-ɒ-zir/ سرازیر
  • Um die Position anzuzeigen: /piʃ-ɒ-piʃ/ پیشاپیش, /dur-ɒ-dur/ دورادور
  • Als Zeichen der Konfrontation: /ruj-ɒ-ruj/ رویاروی
  • Im Aufbau der Dimensionalzahlen (siehe 6•۶.): /mil-ɒ-mil/ میلامیل
  • Im Aufbau der Proportionalzahlen (siehe 6•۷.): /nim-ɒ-nim/ نیمانیم

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